Lily Beckers spontane Rede auf dem Knuedler anlässlich der Demonstration um Teuerungszulage und Lebensmittelpreise vom 13. August 1919 ist der Beginn ihres lebenslangen politischen Engagements.
1898
geboren, engagiert sie sich sehr früh in der Arbeiterbewegung. 1919
tritt sie in die sozialistische Partei ein und wird dort engagierte
Aktivistin. 1920 hängt sie den Beruf des "Ladenmädchens" an den Nagel
und wird Sekretärin im Gewerkschaftsbüro. 1924 wird sie Sekretärin der
Arbeiterkammer. Sie versucht, Frauen gewerkschaftlich zu organisieren.
In der Zeitung "Der Proletarier" appelliert sie: "Aufgewacht!
Kameradinnen! (...) Schwester, Du, die tagtäglich in der Fabrik in
staubiger Atmosphäre schwere Arbeiten verrichten musst; Freundin, Du,
die im luftlosen Kontor gekrümmt vor großen Büchern sitzest; Du,
Kollegin, die im Atelier sich die Hände blutig sticht; Du, Kameradin,
die um einen Hungerlohn den ganzen Monat hinter einem Ladentisch
stehst; Ihr Alle, die Ihr Euch sorgt und müht, kommt zu uns, mit uns."
In den dreißiger Jahren gehört Lily Becker zu denen, die Flüchtlinge
aus Nazi-Deutschland unterstützen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs
emigriert sie mit ihrem Mann, Arbeitsminister Pierre Krier, nach London
und in die USA.
Zur Einführung des Wahlrechts 1919 meint sie 1979 rückblickend: "De
Fraë wor deemols alles wurscht. Si kruten d'Wahlrecht an de Schouss
geschott fir d'Dynastie ze retten."