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IMPRESSUM
 
 

FOOD FOR THOUGHT II

HERIZONS und MISSY MAGAZINE

Aktuelle feministische Strömungen schlagen sich schnell in Zeitschriften nieder. Meist haben diskutierfreudige, engagierte Frauen das Bedürfnis ihre Positionen auch schriftlich zu teilen und dann gibt es eine neue Zeitschrift, oder zumindest ein neues Schwerpunktheft. Damit die frischen Inhalte auch an die LeserIn kommen, stellen wir mit der Reihe Food for thought sowohl neu erscheinende als auch neu im Cid abonnierte Zeitschriften vor. Den Auftakt machte make/shift – feminisms in motion, die aus den USA kommt. Seit diesem Frühjahr beziehen wir außerdem die folgenden Titel neu: das deutschsprachige MISSY MAGAZINE – Popkultur für Frauen, HERIZONS – Women´s News & Feminist Views aus Kanada, Anattitude – eine englischsprachige Zeitschrift, die in Brüssel erscheint und die der weiblichen Seite des Hip-hop gewidmet ist und ebenfalls aus Brüssel zwei feministische Zeitschriften, die eine französischsprachig axelle , die andere französisch-englisch-flämischsprachig scum grrrls.
Weitere Besprechungen werden also folgen. Bis dahin warten - nicht nur die Neuen – ungeduldig darauf im Lesecafé aufgeschlagen zu werden.

HERIZONS – Women's News & Feminist Views

ist eine englischsprachige Zeitschrift und kommt aus Kanada. Sie erscheint bereits seit 1992 viermal im Jahr, ihre Anfänge reichen jedoch bis in die späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre zurück. Erklärtes Ziel der Redaktion ist es, Frauen zu inspirieren, für Frauen ausschlaggebende Angelegenheiten bewusst zu machen, Stärke, Weisheit und Kreativität von Frauen zu fördern, für Frieden und Umwelt einzutreten und den Einfluss feministischer Prinzipien auszuweiten. Ihre feministische Philosophie beschreibt die Redaktion als breitgefächert, verständlich und relevant für den Lebensalltag von Frauen.

cover Herizons' Schwerpunkt liegt bei der Informationsvermittlung und Meinungsbildung. Beiträge beziehen sich sowohl auf Kanada als auch auf die ganze Welt. Die knapp 60 Seiten der Frühjahrsnummer demonstrieren eindrucksvoll die Vielfalt der Themen. Die Hauptartikel berichten zum Beispiel über eine mutige, engagierte und unbeirrbare Frau in Kanadas Kommunal- und Nationalpolitik, über Obdachlosigkeit und prekäre Wohnsituationen, über Sex wider Willen, über eine musikalische Senkrechtstarterin, über Kanadas Grüne (Interview mit der Parteivorsitzenden) und über den Zusammenhang von Sprachgebrauch und Image/Selbstbild.

Herizons' reichhaltiger Newsüberblick enthält unter anderem einen weltweiten Bericht über die Gleichstellung der Frau in den verschiedenen Ländern, informiert über die katastrophalen Auswirkungen von Lachsfarmen im Meer, über die allererste Ausstellung afghanischer Künstlerinnen 2008 in Kabul und über Nicole Kidman als Sonderbotschafterin einer neuen UN-Kampagne, die darauf abzielt, Gewalt gegen Frauen zu stoppen. Das aktuelle Heft hat das Schwer
Herizons bietet zudem umfangreiche und detaillierte Buch- und CD-Besprechungen, Meinungsbeiträge und Kommentare in Form von Kolumnen und listet in sogenannten »nelliegrams« besondere Leistungen und Errungenschaften zeitgenössischer Frauen.
Die Herizons Printausgabe ist inklusive Fotos teils in Farbe, teils schwarz-weiß gedruckt.
Im Internet ist Herizons unter www.herizons.ca zu finden.

MISSY MAGAZINE – Popkultur für Frauen

missyist eine in jeder Hinsicht junge Zeitschrift aus Deutschland und erscheint viermal jährlich. Die aktuelle Ausgabe (03/09) ist erst die vierte seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr. Missy Magazine wird von drei Frauen herausgegeben, die zugleich auch die Redaktion innehaben. Aus Unzufriedenheit darüber, dass in der Popkultur – wie sie sagen – "Jungs" die Medien dominieren und zum Großteil diese auch gestalten, beschlossen sie, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, über "coole Frauen" zu schreiben und überhaupt eine feministische Perspektive in ihre Berichterstattung über Popkultur, Style und Politik einfließen zu lassen.


Der Titel Missy Magazine ist einerseits eine Reminiszenz an Missy Elliott (US-amerikanische Rapperin, Sängerin und HipHop-Superstar) und andererseits eine ironische Anspielung auf Mädchen-Magazine wie Brigitte Young Miss, Miss Vogue etc., die traditionelle Stereotype von Frauen und Mädchen propagieren. Davon will sich Missy Magazine natürlich deutlich distanzieren und garantiert ein Magazin ohne Diättipps und Werbung für Cellulite-Produkte.
Auf knapp 100 Seiten werden die unterschiedlichsten Themen kritisch, ernsthaft aber auch spielerisch und humorvoll behandelt. Die Titelstory der Frühsommernummer ist ein Portrait der vielseitigen deutschen Schauspielerin Sandra Hüller. Ein Dossier zur Finanzkrise berichtet zur Abwechslung mal aus feministischer Sicht. Regelmäßige Rubriken umfassen unter anderem die "Feminismus-Sammelkarten" (zum Ausschneiden), "Untenrum – Neues aus der Intimzone" und "Edutainment" mit vielen Besprechungen und Anregungen aus den Bereichen Film, Musik, Literatur und Kunst.


Obwohl der zeitgemäße polierte Look des Magazins anspruchsvoll und gelungen ist, lassen die Fotostrecken zum Teil zu wünschen übrig. Die Idee, weinende Männer abzubilden, um gängige Rollenklischees zu kippen, ist prinzipiell gut und konstruktiv, leider wirkt das Resultat aber unecht, zu sehr inszeniert, platt. Die Modestrecke, gedacht als Hommage an den jeweiligen Kleidungsstil einer feministischen Ikone, ist leider nur ein mittelmäßiger Aufhänger für die aufschlussreichen (und vergleichsweise wesentlich interessanteren) Zitate jener großen Frauen, die zu den Bildern mitgeliefert wurden. Schade! Dennoch steht Missy Magazin für eine schwungvolle und selbstbewusste Umsetzung eines ehrgeizigen Vorhabens, das, selbst wenn nicht alles im Heft gleich erfolgreich erscheint, vielleicht gerade deshalb so sympathisch und authentisch rüberkommt. Wir warten gespannt auf mehr!

Internet: www.missy-magazine.de