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(ke) Wenn die hellhörige Theodora sich suchend der Welt
zuwendet, nehmen ihre Erinnerungen die Spur auf von Winter und Vögeln, Pflanzen
und Musik und auch von Nacht und Trauer. Theodora verbindet als literarische
Figur die Gedichte des Bandes. Diese gleichen Pionierpflanzen, der „blauen
Stunde“ oder auch Wundklee: Sie kündigen den Moment kurz vor der Veränderung an
und bereiten ihn vor. Es sind warme, lebendige, zuweilen mit Ironie gewürzte
Gedichte gegen die Erstarrung und Abhärtung, in denen sich Theodora zum Trotz
eine Chrysantheme „ins winterharte haar“ steckt
und den Sturm ohne sie toben lässt.
Mit wundklee streut aus legt Ulrike Bail nach Einzelveröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, ihren ersten Gedichtband vor: 47 Texte, meist kürzer als neun Zeilen. Sie können einzeln gelesen werden, im Zusammenspiel erzählen sie Geschichten. Für das im Band enthaltene Gedicht die töne haben eine haut erhielt Ulrike Bail 2008 den Lyrikpreis der Osteuropa-Förderung.
Mit einem Vorwort von Bernard Ceysson, einer Einleitung von Marie-Anne Lorgé, einer reich bebilderten Biografie der Künstlerin von Lambert Herr.
(dr) Der neue umfangreiche Bildband dokumentiert das Schaffen der luxemburgischen Künstlerin Dany Prum (* 1965), die sich mit Vorliebe der in der zeitgenössischen Kunst an den Rand gedrängten realistischen Malerei und Zeichnung widmet ohne dadurch die Installation, Objektkunst und Fotografie zu vernachlässigen. Immer ist es das gezeichnete und gelebte Leben an sich, die Existenz, die die Künstlerin in ihren Werken bannt. Dazu Dany Prum: „ Pourtant, un visage marqué par l’expérience de la vie n’a t’il pas plus de charme qu’un masque à l’inexpressivité lisse? “
Ihre Porträts nehmen sehr unterschiedliche Formen an: Manchmal wird der Gesichtsausdruck, der Blick, die faltige Haut eines einzelnen, (in monumentaler Körperhaftigkeit dargestellten) Menschen fokussiert. Manchmal sind es aber auch Doppelporträts, in denen die Künstlerin der Beziehung bzw. Beziehungslosigkeit zwischen den Personen nachspürt. Es muss auch nicht immer das Gesicht sein, mit dem Prum die Persönlichkeit eines Menschen fühlbar macht, ihr gelingt das auch, in dem sie nur den Hinterkopf oder die Füße zeigt. Immer wieder rückt sie auch das Tier in den Mittelpunkt, sehr häufig sind es Hunde, aber auch Katzen, Kröten, Fliegen, Wasserspinnen, Schafe, Vögel, Fische und Hühner – lebend wie tot, vom Menschen zum Verzehr zubereitet. In ihren Naturbildern zoomt sie oft wiederum nur Teile – wie Bambusstäbe, eine vereiste Wasserfläche – stark heran, vernebelt sie und verwandelt sie dadurch in Traumbilder. Manche Bilder und Zeichnungen zeigen Alltagsobjekte, in denen die Leere rundum und zwischen den nüchternen, häufig in kühlen Farben gemalten und wie zufällig zusammengebrachten Dingen existenziell vibriert. In ihren Objekten benutzt sie wiederum gerne Dinge, die die Spuren der Zeit, aber auch die Spuren ihrer Interaktion mit dem Menschen tragen, und setzt sie in neue Zusammenhänge. Dany Prum malt immer wieder Bilder, die einen kritischen Blick auf Luxemburg werfen und die kleinbürgerliche Bigotterie und Zugeknöpftheit ihres Heimatlandes demaskieren, so zum Beispiel in der Bilderserie Maus Ketti oder in ihren Bildern Octavprozessioun und Paschtéier.
(ke) Frauen ab Mitte 50, aber auch Männer und Enkelkinder, ein paar
„Schickimickis-Tussien“, echte SeniorInnen und „Winnetous Squaw“
bevölkern die neue Anthologie von Josiane Kartheiser. Da wird auf
lëtzebuergesch und deutsch gelästert, angegeben und sehnsüchtig
geträumt. Von Schlappheit bei den „Alen“ keine Spur. Mit Staunen
beobachten die LeserInnen über welch’ riesige Energiereserven
Kartheisers Charaktere verfügen, und wie sie diese in alltäglichen
Kämpfen erschöpfen.
Schöne Geschichten, Glossen und Texte fürs Kabarett – mit Seitenhieben und einer guten Portion Witz.
Witze nacherzählen, jedoch, ist mündlich mal ein Vergnügen mal ein
Experiment, schriftlich gehört Talent dazu. Deshalb lassen wir lieber
Frau Kartheiser das Wort und sagen nur noch: Selber lesen und viel Spaß!
Josiane Kartheiser hat Amerikanistik und Linguistik studiert, viele
Jahre als Journalistin gearbeitet und gibt heute Lëtzebuergeschkurse
für Erwachsene. Neben der Schriftstellerei verfasst sie
Literaturkritiken. Die meisten ihrer Veröffentlichungen sind im
Cid-femmes entleihbar.
(Selbstverlag 2007, 144 Seiten)
(ke) Schaffensphasen einer Künstlerin zeigt diese Autobiographie in
Bildern. Beginnend mit den Jugendzeichnungen der siebziger Jahre
dokumentiert Britt Bernard ihre Entwicklung in Collagen aus Text,
persönlichen Photos und Abbildungen ihrer Werke.
In jeder Lebensphase kommen neue Techniken hinzu, zunächst
„Automatisches Malen“ und Photographie, dann Malerei (Tusche, Aquarell,
Öl, Gouache und Fotomalerei), Arbeiten mit Wolle und Keramik und später
Assemblagen. Nach ersten Ausflügen in Tanz und Musik in den achtziger
Jahren, nehmen diese Ausdrucksformen mittlerweile viel Platz ein.
Die Werke erzählen persönliche Geschichten und reflektieren Erfahrungen
während der Auslandsaufenthalte und Reisen. Sie begleiten das Studium
in Straßburg und die berufliche Tätigkeit als Lehrerin. Angekommen im
eigenen Atelier zeigen sie die Spuren, die die Arbeit als
Kunsttherapeutin hinterlässt.
Im Rahmen des Cid-Projektes Künstlerinnen entdecken bietet Britt
Bernard Keramikworkshops für Kinder von 6-12 Jahren an, in denen sie
die japanische Rakutechnik vermittelt (www.kek.lu).
(Selbstverlag, 120 Seiten)
(ke) Ein bitteres Thema – sorgfältig und informativ aufgearbeitet.
Simone Pissinger arbeitet seit zehn Jahren als Mitarbeiterin der ersten
Stunde beim Meederchershaus, einer Einrichtung von Femmes en Détresse,
für Mädchen, die in ihren Familien Gewalt – insbesondere sexualisierte
Gewalt erfahren.
In dem vorliegenden Band berichtet sie umfassend von den äußeren
Bedingungen der Arbeit, von dem gesetzlichen Rahmen, den verschiedenen
Formen der Gewalt gegen Mädchen und der besonderen Rolle der
sexualisierten Gewalt, des häufig noch so genannten sexuellen
„Missbrauchs“.
Sie zeigt die gesellschaftlichen Vorurteile und familiären Strategien,
die es immer noch schwer machen, die Gewalt offen zu legen, Mädchen zu
schützen und Täter zu bestrafen.
Pissingers Darstellung macht deutlich, wie wichtig die Präventions- und
Sensibilisierungsarbeit des Meederchershaus ist: Nicht nur müssen
Kinder – Jungen wie Mädchen - in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt
und in die Lage versetzt werden, sich Hilfe zu suchen. Auch das
familiäre, schulische und medizinische Umfeld müssen für das Thema
sensibilisiert werden. Und schließlich haben Medien und Werbung noch
einen weiten Weg zurückzulegen, ein Frauen- und Mädchenbild zu
vermitteln, dass diese nicht zu Objekten männlicher Verfügbarkeit macht
(siehe. z. B. als abschreckendes Beispiel die aktuelle sexistische
Sloggi-Werbung)
Die Gewalt hinterlässt Spuren. Simone Pissinger berichtet von den
zermürbenden Gerichtsverfahren, von den Traumata und therapeutischen
Behandlungen.
Achtzehn, der insgesamt 297 Mädchen im Alter von 12 – 21 Jahren, die in
den letzten zehn Jahren beim Meederchershaus empfangen wurden, haben
sich bereit erklärt von ihren Erfahrungen Zeugnis abzulegen.
Daneben stehen als ausdrucksstarke Kommentare die Werke – vor allem
Collagen – die die Künstlerin Pina Delvaux für das Buch zur Verfügung
gestellt hat.
Ein hervorragendes Buch dem eine große LeserInnenschaft gewünscht werden kann!
(Femmes en Détresse / Meederchershaus 2007, 160 Seiten)
Kontakt : Tel. 29 65 65 ; foyer@mederchershaus.lu
Das Letzebuerger Artisten Center, das sich vor allem der Förderung
von jungen Gegenwartskünstlerinnen und –künstlern widmet, präsentiert
in einem schönen, aufwendig gestalteten Katalog Kunst aus der
Großregion. Mit jeweils ca. zwölf Seiten werden die Kunstschaffenden
mit ihren Werken – vor allem Malerei und Skulpturen -
Publikationen und bisherigen Ausstellungen vorgestellt. Ein
faszinierendes Panorama, das neugierig macht. Besonders erfreulich –
aus der Perspektive des Cid-femmes – ist es, dass Frauen so zahlreich
in dem Band vertreten sind. Im Einzelnen sind es: Lony Hirtz, Denise
Mackel, Josée Olinger-Proth, Sibylle Feidt, Mariette Flener-Muller, Eva
Erbacher, Christiane Linden, Yvette Rischette, Simone Finck und Martine
Daniels-Marson. (éditions saint -paul 2007, 197 Seiten)
Katja Rausch vient de publier son nouveau livre « Portraits de
femmes célèbres luxembourgeoises » aux éditions Karà. Avec cette
sélection personnelle de destins de femmes luxembourgeoises qui ont
marqué leur époque et continuent, de près ou de loin, à marquer la
nôtre. Dans ce livre, des femmes plus ou moins célèbres se trouvent,
sans hiérarchie aucune, côte à côte, pour former un collier de destins.
Ainsi peut-on lire des biographies courtes d’Aline Mayrisch,
d’Ermesinde, de la première professeure-docteure et grande admiratrice
de Victor Hugo Anne Beffort, de la cuisinière Ketty Thull, de la
première journaliste et globe-trotteuse Katrin C. Martin, de la grande
dame du sport féminin Joséphine Jacquemart, de la religieuse la plus
controversée du Luxembourg Clara Moes, de la première femme médecin
Louise Welter ainsi que de la dernière femme décapitée au Luxembourg,
Françoise Valjan.
Les illustrations ont été réalisées par l’artiste Iva Mrazkova, et
chaque biographie se trouve complétée par un commentateur ou une
commentatrice de renom afin d’ancrer les destins dans le présent:
Marie-Anne Werner, Michel Margue, Cornel Meder, Germaine Goetzinger,
Paul Kremer, Christiane Zettinger, Jean Hamilius, Danielle Roster,
Lucien Thiel et Yannick Didlinger ont apporté leur contribution à ce
projet atypique.
Sur les dernières pages, la lectrice / le lecteur est invité à deviner
qui se cache derrière le « portrait mystère ». La solution sera publiée
le 11 janvier 2008 sur www.kara.lu.
(Karà éditions 2007, xxx Seiten)