Facebook - CidFemmes - you can join us on facebook now...
 


IMPRESSUM
 
 

LES ARTS, LITTéRATURE & MUSIQUE, MéDIAS / KUNST, LITERATUR & MUSIK

 

  • Nicht verpassen - Meisterinnen des Lichts!

(ke) Soeben hat in Frankfurt die Ausstellung Impressionistinnen – Morisot, Cassat, Gonzalès und Bracqemond begonnen. Sie wird noch bis zum 1. Juni in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu sehen sein, ehe sie im Sommer nach San Francisco reist. Mit 160 Werken aus internationalen Museen und Privatsammlungen würdigt die Ausstellung die weibliche Hälfte des Impressionismus.
Wer mit dem Zug fahren will (ca. 4 Stunden), kann sich ein Kombiticket kaufen, das den Eintritt schon enthält. Zum Einlesen auf der Fahrt empfehlen wir die Lektüre von Meisterinnen des Lichts. Die Herausgeberin Ingrid Pfeiffer beschreibt im Vorwort die alten und neuen Bedingungen, unter denen Frauen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts malten. Die Pariser Kunst- und Intellektuellenszene, die verbesserten Ausbildungsmöglichkeiten an den Malschulen und die Ausstellungen im Pariser Salon finden genauso Erwähnung wie die hemmenden Geschlechterrollen, die immer noch Ehe, Mutterschaft und finanzielle Abhängigkeit als das Normalskript für Frauen definierten, und die es den Malerinnen schwer machten, wie ihre männlichen Kollegen frei im öffentlichen Raum zu arbeiten.
Vier literarisch-biographische Texte von Schriftstellerinnen portraitieren die einzelnen Künstlerinnen: Alissa Walser – Berthe Morisot, Diane Broeckhoven - Mary Cassat, Noëlle Châtelet – Eva Gonzalès und Anette Pehnt – Marie Bracquemond.
Auch der Ausstellungskatalog, der die hervorragenden und unter erschwerten Bedingungen entstandenen Werke der Impressionistinnen dokumentiert, wird in Kürze in den Regalen des Cid-femmes stehen.
(Hatje Cantz 2008, 93 Seiten; Katalog, ca. 400 Seiten)

  • mobile distance
    Elvira Hufschmid

mobile_distance(ke) Es ist ein schwieriges Unternehmen, eine Künstlerin vorzustellen, deren Werk nicht zeitgleich im Umfeld der LeserInnen gezeigt wird. Die Erfahrung von Rauminstallationen, von großformatigen Videoprojektionen lässt sich nicht in einem Katalog, noch weniger in einer Rezension abbilden. Doch die Idee der Kunstwerke springt auch im Katalog über, vielleicht gerade deshalb, weil es in den gezeigten Arbeiten unter anderem um das „Phänomen der Gleichzeitigkeit von Abwesenheit und Anwesenheit“ (Elvira Hufschmid) geht.
Autobahn, Einkaufszentrum und Fernsehen zeigen dieses Phänomen: von Menschen erzeugte Maschinerien, die, wenn sie von Menschen benutzt werden, diesen nur „bedingt“ Anwesenheit erlauben. Oder aus der Perspektive der „Benutzung“ gesehen, deren „Gebrauch“ eine kurze Stillstellung, Irritation, Aneignung der Maschinerie darstellt. In den multimedialen Installationen sieht das zum Beispiel so aus: In einem großen Einkaufszentrum geht eine Frau auf der Stelle inmitten eines Meeres von laufenden Rolltreppen. Oder auf einer Autobahn, gesehen aus der Perspektive einer Autobahnbrücke, rennt plötzlich mit gut vernehmbaren Schritten eine Frau vom oberen Bildrand über die Bahn, dicht gefolgt von einem LKW. Sie verschwindet im unteren Bildrand, „überlebt“ und rennt kurze Zeit später erneut über die Bahn.
Sharon Grace, Professorin im Fachbereich Neue Medien am San Francisco Art Institute, gilt als eine der Wegbereiterinnen der künstlerischen Fortentwicklung des World Wide Web. Sie untersucht in Hufschmids Werk unter anderem die „Gegenbewegungen“, die ein anderer Gebrauch der Maschinerien verursacht, der deren Funktionieren aber eigentlich erst recht sichtbar macht. Dabei geht sie ausführlich – wie auch die weiteren beitragenden Autoren, der Kunstprofessor Horst Eberhard Haberl und der Leiter der Saarbrücker Stadtgalerie Ernest W. Uthemann – auf Elvira Hufschmids Auseinandersetzung mit dem Passagen-Werk von Walter Benjamin ein. Dessen fragmentarische Aufzeichnungen aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, die sich aus (kunst-)philosophischer Perspektive mit den im 19. Jahrhundert entstehenden Pariser Einkaufspassagen beschäftigen, bieten Interpretationsgrundlagen für heutige gesellschaftliche Phänomene.
Der Katalog dokumentiert die Videoinstallationen der Ausstellung mobile distance (20.11.2004-16.1.2005, Stadtgalerie Saarbrücken). Auf der Homepage der Künstlerin werden die meisten der vorgestellten Videoinstallationen mit kleinen Filmen vorgestellt. Außerdem sind weitere Medieninstallationen, -skulpturen und Zeichnungen zu entdecken, die von der begeisternden Kreativität, der Vielfältigkeit und dem Humor der Künstlerin zeugen. Ein persönlicher Favorit, die Schatzkiste: Parla d’amore, mein Schatz.
Elvira Hufschmid studierte in Saarbrücken und San Francisco Bildhauerei und Medienkunst. Seit 2003 hat sie Lehraufträge an der HBKsaar und an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Gleichzeitig ist sie freischaffend tätig. Zur Zeit ist die Künstlerin Gastprofessorin für Künstlerische Transformationsprozesse (2007-2009) im Team Stille Post! an der Universität der Künste Berlin. Mit dem Video Rede ans Volk war sie dieses Jahr beim Octobre Rouge (Esch/Alzette) präsent.
(Kehrer Verlag 2004, 72 Seiten, www.elvira-hufschmid.de)

 

  • So viel Energie - Künstlerinnen in der dritten Lebensphase
    Hanna Gagel

(ke) Kunstwerke sind eigenständig und werden betrachtet und bewertet – auch ohne den Kontext ihre Entstehung. Dennoch ist es oft aufschlussreich, einen Blick auf diesen Kontext zu werfen. Das hat die Kunstwissenschaftlerin und langjährige Dozentin an der Züricher Hochschule für Gestaltung und Kunst getan, und zwar unter besonderer Perspektive: Sie hat sechzehn Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, geboren zwischen 1860 und 1930, porträtiert und sich dabei auf ihr spätes Schaffen konzentriert.
Die starke schöpferische Kraft, die titelgebende Energie, wird dabei deutlich sichtbar in der Vorstellung der Kunstkonzepte der einzelnen Künstlerinnen, in den ausgewählten Abbildungen ihrer oft gigantischen Werke (z. B. Magdalena Abakanowicz, Niki de Saint- Phalle oder auch Louise Bourgois) und in dem, was sie selber über ihr Älterwerden erzählen.
Die Autorin, selbst Anfang Siebzig, zeigt verschiedene Perspektiven auf, das zusammengestellte Material zu verstehen: Sie vergleicht die Künstlerinnen in ähnlichen Lebensphasen, sie bettet die Künstlerinnenporträts in die allgemeinen Lebensumstände von Frauen im 20. Jahrhundert ein und sie kratzt an gängigen Klischees über ältere Frauen. Sie zeigt, wie die lange künstlerische Tätigkeit oft erst spät die öffentliche Anerkennung findet und wie der Mut zu Brüchen, der aktive Umgang mit Lebenskrisen und eine oft spät erworbene Souveränität und Offenheit neues künstlerisches Potential freisetzen.
Ein sehr schönes und ermutigendes Buch.
(AvivA 2005, 268 Seiten)