Frauen in der Antike
Elke Hartmann
(ke) Wenn wir den Blick auf Lebenswelten griechischer und römischer
Frauen der Antike richten, können wir nicht hoffen, Wahrheit zu
rekonstruieren. Neben archäologischen Funden besteht der Hauptteil der
Überlieferung aus Texten, die von Männern geschrieben wurden, von
Historikern, Rechtsgelehrten, Literaten und auch Philosophen. Diese
wollten nicht das Spektrum weiblicher Lebensrealitäten schildern,
sondern mit ihren Schriften Rechts- und Tugendvorstellungen vermitteln.
Ihre Berichte prägen unsere Wahrnehmung der Antike bis heute.
Die Berliner Historikerin Elke Hartmann legt mit Frauen in der Antike
eine Quellenanalyse vor, die den Inhalt der Überlieferung zu den
antiken Autoren und ihren Anliegen in Beziehung setzt. Anhand
ausgewählter Beispiele historischer (z. B. Sappho, Arsinoë und
Theodora) wie literarischer Frauenfiguren (z. B. Penelope, Medea) macht
sie sichtbar, welche Funktion die jeweilige Beschreibung hatte, und was
sich zwischen den Zeilen als Hinweis auf weibliche Lebensrealität
herauslesen lässt. Dabei geht es um Ehe und Haushalt, um
Handlungsspielräume, Tugendvorstellungen und die Rolle der
Marginalisierten (Sklavinnen, Hetären, ....). Jenseits der
feministischen Perspektive, die in diesem Zusammenhang fragt, ob Frauen
(und auch Männer) sich in der Antike entfalten konnten, beschreibt
Hartmann die gesellschaftlich vorgegebenen Rollen. Schon hier wird
sichtbar, was später von der Kirche als Zweiteilung der möglichen
Frauenrollen zwischen Heiliger oder Hure propagiert wird. In der Antike
ist es der Gegensatz Ehefrau oder Prostituierte.
Entweder – oder, für Zwischenräume scheint schon damals wenig Platz gewesen zu sein.
(C. H. Beck 2007, 276 Seiten)
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